3wRL@2.0me

Paria.Verlag/revolutions:
OnProsa 2.0

2.0me
Vorzeichen der Apokalypse
Der Turm

                                                                               Das Tal ist rau, ziemlich öde, ich bearbeite auch immer nur eine Wand, mit meinem Kopf, denn in dieser Ferne erhebt sich ein Turm. Es sollte ein Turm sein, vielleicht eine Grabstätte, aber immerhin ein Ziel. Manchmal dann, wenn ich Stein um Stein aus der Wand heraustreibe, glaube ich diesen wachsen zu sehen.
Mit den schreitenden Jahren erstreckt sich der scheinbar nahende Turm aber immer weiter in die Höhe, also kann dieses Bauwerk nicht abgeschlossen sein, wartet vielleicht nicht nur auf meine Ankunft, sondern bedarf dieser sogar zur Vollendung. Denn es muss mein Kopf sein, die Wand zu nehmen, um den Turm wachsen zu sehen, ist doch sonst nur das Tal. Aber da müssen noch andere sein, die sich mir nicht zeigen, sie kommen wohl wenn ich ruhen muss und tragen die Steine zum Turm. Vielleicht ernähren sie sich von diesen, vielleicht nehmen sie diese aber auch um andere zu erschlagen und aus ihrem Gebein den Turm zu errichten. Denn unmöglich kann der Turm aus meinem einfachen Geröll sein, dafür ist er zu hochgebaut. Meine Steine fallen immer zu Boden, eignen sich nicht zum Stapeln.
Das sich die Anderen nicht zeigen, ist vielleicht gar nicht wahr, denn selbst im Schlaf hat der Turm meinen Blick fest im Griff. Vielleicht ist der Turm auch ihre Art sich zu zeigen. Bestimmt ist der Turm meine Art mich zu zeigen. Vielleicht erkennen wir uns deswegen nicht, weil wir immer nur den Turm sehen.

Selbstgespräch
                                           Ich will nicht mehr aufstehen. Ich stehe nur noch auf, wenn ich Dich vermisse. Ich vermisse Dich dauernd. Also bleibe ich liegen.
Bis ich aufstehen muss, nicht etwa, um Dich nicht zu vermissen, sondern weil ich nicht mehr liegen kann, obwohl ich nicht aufstehen will.
Dich hat diese Angewohnheit schon immer gestört. Nicht das Vermissen, sondern das Liegenbleiben.
Selbst wenn Du neben mir liegst, bist Du längst aufgestanden. Du träumst nicht, Du schläfst nur.
Eine Angewohnheit, die alles ist, das mir bleibt. Dich zu vermissen.
Eigentlich bin es nicht ich, der liegen bleibt. Ich bin längst aufgestanden. Nur Du liegst noch hier. Deswegen kann ich nicht aufstehen, will nicht aufwachen.
Ich liege doch nur für Dich. Damit Du schläfst, damit Du aufstehst.
Deswegen stört Dich diese Angewohnheit. Weil Du schläfst, weil Du aufstehst.
Würdest Du liegen bleiben, könnten wir gemeinsam aufstehen. Und dann?
Würden wir fortgehen, um uns anderswo niederzulegen? Warum bleiben wir nicht einfach liegen?
Dann würdest Du nämlich verstehen, warum ich nicht mehr aufstehen will. Warum Du längst aufgestanden bist. Im Grunde nämlich ist es dasselbe. Nur erkenne ich das nicht, weil ich Dich vermisse.

Unter Wasser
                                                                                                                          Ich treibe mich herum, warum weiß ich nicht. Ich laufe ziellos durch den Verkehr,  Schilder, Gesichter, Ampeln und Hände treiben mich weiter und weiter, Straßen, Schaufenster, Plastik und Wasser, ich finde nur Unruhe.
Ich will hier nicht leben, ich will leben, aber nicht hier. Ich kenne diese Hände, diese Münder, diese Augen verfolgen mich in mein Zimmer gegenüber des Einkaufszentrums, in die Nacht und den Morgen.

Ich fahre mit dem Fahrrad zur Schule, schon das erste Wort ist Angriff, keine Ruhe, ich schlucke die abgebrochene Spitze eines Bleistiftes, Panik, auf dem Nachhauseweg schiebe ich das Rad und sehne mich nach Schlaf.
Der Fernseher lässt mir keine Ruhe, kaum Essen, Aufwasch und wieder fernsehen.
Die Tür fällt ins Treppenhaus, Schritte, Verkehr, Läden, ich stehle Zigaretten und finde ein Pornoheft auf der Straße, Bedrückung, Panik, Gleichgültigkeit, ich werfe es weg, rauche bis mir schlecht wird, Ekel, Hass, Gleichgültigkeit, ich will hier nicht leben.

Telefon wie Drohung, Angst, Elternblicke, Kopfschütteln, ohne Abendbrot ins Bett,  Hunger, Verzweiflung, nachts scheint der Mond durch mein Fenster und ich stelle mir vor, die Welt wäre unter Wasser und ich könnte einfach heraus schwimmen.

Der Trieb
                                                  Jedes mal wieder ist es wie eine Schneekugel, ich sehe von außen wie durch Glas mich aufschütteln, um ein Schloss im Schneetreiben zu  finden. Wenn der Schnee schließlich gefallen ist, finde ich mich in ihm liegend wieder und wundere mich über seine Naturgewalt. Kann sie doch nicht mir entsprechen. Das war nicht ich, sondern der Schnee, der des Schlosses wegen meine Sinne verklärte. Also ist es das Schloss, das den Schnee aufwirbelt.
Doch zuerst einmal muss ich das Schloss sehen, doch es ist längst erblickt, noch bevor ich es sehe. Ich erkenne es nämlich erst, wenn sich der Schnee gelegt hat.
Nun frage ich mich aber weniger, ob mir das ich sehe gefällt, sondern ob mir das ich sah gefällt. Das Schloss, das im Schneetreiben auch verirrt wirkt, das in der rohen Naturgewalt untergehen müsste, wenn der Schneefall sich nicht legen würde. Ich mich nie hineinlegen könnte, da er immer weiter fällt, sondern immer nur zusehen müsste.
Es ist das Zusehen, das mir weniger gefällt. Sehen nämlich ist ein anderes. Das Liegen schmerzt dadurch, denn nicht ich habe mich gelegt, sondern wurde gelegt, in den Schnee. Wie das Schloss.
Das ist die Gemeinsamkeit. Denn im Grunde bin ich das Schloss. Und der Schnee.
Und der Blick?
Dieser Blick ist keiner, nur ein Abdruck im Schnee.

Stillleben
                                                       Wir haben vor langer Zeit aufgehört zu reden.
Denn all das Reden hatte das zur Folge. So wurden wir in gegenseitigen Einvernehmen zu Projektionen, wir sind, das wir nicht sagen, sondern von einander denken.
Kein unangenehmer, wenngleich auch einsamer Zustand, der erst durch die Teilung der Einsamkeit richtig einsam wird. Aber diese Einsamkeit ist nur natürlich, bestenfalls Altern.
Wir wollen nämlich einsam sein, weil wir uns nicht verlieren wollen – uns selbst nicht und auch das Gemeinsame nicht.
Wir wollten nämlich einsam sein, dem Schmerz zuvorzukommen, aus Selbstschutz also.
Erst dadurch haben wir uns wirklich gewonnen, im Vertrauen auf das Unausgesprochene die Verliebtheit in Enttäuschungen abgelegt, machten wir unsere Einsamkeit zur Gemeinsamkeit.
Und doch wissen wir, das wir von einander denken, ein weiterer Anlass das Reden einzustellen. Es wurde längst alles gesagt, doch ist jedes Wort zu viel und richtig. Alles das gesagt wurde, ist nämlich nicht mehr zurückzusagen, sondern wiederholt sich endlos in diesen Projektionen, zu Recht lächeln wir dann leicht berührt vom Schmerz und schämen
uns, sind erleichtert, nicht reden zu müssen.
Denn was würden wir sagen, wenn wir reden würden?
Wir lieben uns, Dich, mich, das kann nicht oft genug gesagt werden. Alles andere wäre unsinnig zu sagen, weil es schon längst gedacht ist, das ist nicht mehr zurückzudenken.
Vielleicht wäre es zu korrigieren, vielleicht auch nicht, aber wir sind doch längst zu dem geworden, das wir denken?

Liebe(s)LebenBeweis
                                                        Gib mir einen Grund mit Dir zu sein. Nur einen. Einen dieser verlangenden Blicke (, die ich nicht vergessen kann). (Habe ich Dir denn schon alle genommen?)
Oder diesen leisen Blick, der mich schon berührt, bevor Du ansetzt, in denen ich Dich spüre. Die ich nicht lassen kann. Lassen will. Lassen darf. Gib mir diesen einen Grund, der sich nicht im Alltag verstecken lässt, wie wir. Du bist der Grund. Den ich muss. Den ich will. Gib mir das Darf, gib mir diesen Grund. Denn ich werde. Denn ich liebe. Denn ich brauche. Diesen einen Grund bei Dir zu sein.
Denn ich will nicht das Du etwas machst. Für mich. Du musst nichts machen. Du bist schon. Du. Ich will Dich.
Wie könnte ich Dich noch wollen, wenn Du ich wärst? Ich will Dich doch, weil Du Du bist. Würde ich mich wollen, wozu bräuchte ich Dich, also mich noch einmal? Ich habe mich doch schon. Nur Dich, Dich werde ich nie haben. Weil ich dann nur mich hätte. Ich kann Dich nur haben, indem ich Dich will.
Dich.
Ich will, das Du etwas willst, das ich will. Ich muss das machen. Ich bin. Ich will Dich.
Ich will, das Du willst, das ich Dich will.
Dieser eine Grund mit Dir zu sein.

Letzte Bitte
                                                                                                          Dreh Dich doch nicht weg, sieh mir nach. Wenn ich gehe. Wünsche Dir mich noch einmal zu halten.
Aber das bist nicht Du. Sonst wäre ich auch nicht gegangen. Sondern geblieben. So gehe ich, um zu bleiben. Bei mir. Denn würde ich bei Dir bleiben, wäre ich schon längst gegangen.
Und doch gehst Du mit mir. Ein Teil zumindest. Bleibst mir gehalten, ich werde Dich nie loslassen, auch wenn Du längst nicht mehr zu sehen bist. Das wir teilten, werden wir auch weiterhin teilen. Sonst ist da nämlich nichts, das zu teilen ist.
Ich liebe Dich. Ich werde Dich immer lieben.
Ich darf Dich nur nicht mehr fühlen. Sonst kann ich nicht gehen, auch wenn Du hinter mir hersehen würdest. Wie könnte ich dann gehen?
Ich will nicht gehen. Du lässt mich gehen. Die Blicke, die Du mir nicht hinter hersiehst, treiben mich von Dir weg. Spürte ich wenigstens Deinen Hass meinen Rücken stechen, könnte ich mich niederwerfen und klagend zu Dir aufsehen, hier bleiben. Doch Deine Blicke sind leer, ich finde keinen Halt in ihnen, Du bist nicht mehr in ihnen. Eigentlich bist Du längst gegangen. Nur ich bin geblieben.
Ich werde immer bleiben.
Was ließ Dich gehen? Ich habe Dich nicht gehen lassen, denn ich halte mich an mir, auch wenn ich durch Deine Blicke falle, so halte ich mich an meiner Liebe zu Dir. Ich bin meine Liebe zu Dir.
Also werde ich Dich nicht gehen lassen. Deswegen gehe ich, um bei Dir zu bleiben. Du bist alles, das ich will. Doch ich bin nichts, das Du willst.
Nicht einmal mir hinter herzusehen. Dir zu wünschen mich noch einmal zu halten. Und doch will ich Dich. Denn in all diesen Momenten, in denen Du nicht bei mir warst, war ich bei Dir. Musste ich bei Dir sein, sonst wäre ich nicht gewesen.

Warum ich Dich liebe                                                                                                                                            Mein Leben ist ein einzelner Raum mit angeschlossenen Funktionen. Ich habe gern in diesem Zimmer, minimalistisch und dadurch um so weitläufiger, gelebt, denn Du warst dort. Als Du gingst wurde aus wenig nichts, meine Schritte verloren sich in der Enge.
Und doch ist das Alles. Alles das bleibt.
Erinnerung. Für Dich eine schmerzliche, das schmerzt mich am meisten: deine Blicke, voll verlegener Anklage, ganz so, als wolltest Du nicht, zerreißen das kleine bisschen Wut, das ich haben darf. Du hattest Recht zu gehen, nur bin ich zu Recht nicht gegangen, sondern geblieben, denn Du bist das einzige Versprechen, das ich nicht brechen kann.
Ich weine nicht, obwohl ich in Tränen ertrinke, denn weinen würde bedeuten, Dich verloren zu haben, dann lieber ertrinken.
Dabei war das Falsche ebenso richtig wie wir, nur das Richtige wurde falsch.
Manchmal ertappe ich mich bei dem Wunsch, mit Dir gegangen zu sein, doch dann wäre alles nichts, als ob wir niemals geschehen wären.
Also bleibe ich in diesem Raum, auch für Dich, damit wir waren.
Ich denke an Dich, endlos und abbrechend, immer nur bis Dein Gesicht sich verzieht. Weil ich das muss, weil ich sonst wütend werde, auf mich.
Der ich in Deinen Augen bin. Dieses
Ungeheuer.
Deswegen ist es auch gut, dass Du gegangen bist, denn ein Ungeheuer kann ich nicht sein, zumindest nicht lange. Und doch würde ich jederzeit wieder ein Ungeheuer sein, für Dich. Denn Du willst ein Ungeheuer.
Nicht mich, der ich bin. Jedenfalls haben wir uns beide so verhalten, als das Ungeheuer keines wäre, sondern Du und ich, wir.
Deswegen liebe ich Dich.

Affenzirkus                                                
                                                           Ich hasse meinen Körper, ich muss ihn hassen, weil mir die anderen das Gefühl geben, dass er bemitleidenswert ist, gerade gut genug zur Belustigung.
Ich bin dünn, nicht unsportlich, aber über die Maßen dünn, ohne dabei feminin zu wirken, mein Rücken ist trotz aller Schlankheit ein perfektes V, meine Schultern sind ebenso männlich wie meine volle Brust und mein definierter Trizeps.
Und doch sehe ich immer wieder dieses schale Lächeln des gezwungenen Mitleides, der versteckten Belustigung, als ob ich mich  aufgrund meines Körpers lächerlich machen würde.
Dieses schale Lächeln vergeht erst, wenn sie mich trainieren sehen, mit Gewichten, die schwerer sind als ihre, erst dann wird aus dem Mitleid interessierter Respekt.
Aber dann ist es schon zu spät, wenn ich erst beweisen muss, das ich Respekt verdient habe, ist dieser Respekt keiner mehr, der meiner würdig ist, der irgendeines Menschen würdig ist.
Es ist nämlich der Respekt einem Affen gegenüber, der ein ganz besonderes Kunststück beherrscht.
Was soll ich nur tun?
Sie zu ignorieren, würde bedeuten mich selbst zu ignorieren, zu akzeptieren würde bedeuten ihnen Recht zu geben, gleich ob Anabolika, Implantate oder Aufgabe – es wäre eine Niederlage vor mir selbst.
Wie ich es auch drehe und wende, sie machen mich zum Affen, der zur ihrer Belustigung tanzt, gleich ob ich will oder nicht.
Also mache ich sie zum Affen, zeige mit dem Finger auf sie und lache sie aus, dann werden sie wütend, sind verletzt, greifen mich erst recht an.

Eines Tages dann, wenn der erste Mensch daran gestorben ist - und aller Wahrscheinlichkeit werde ich das sein - werden sich alle fragen, wieso, wieso musste jemand sterben?
Dann werde ich sagen: ihr habt euch selbst zum Affen gemacht

Stadteinsamkeit                                                                                         Einen Zug entfernt vom mentalen Overkill quält sich mein Selbst in der allgegenwärtigen Fremde des Stadttreibens.
Die unpersönliche Masse ist so unbedrohlich wie nuklear abgesicherte Selbstzerstörung, eine Frau dünn wie die verbrannte Sonne parkt ihre ausgehungerte Weiblichkeit frontal in mir, ich ignoriere sie, denn Sex ist so
kleinbürgerlich, dass das Desinteresse daran apotheotisch aphrodisiert.
Schließlich schenke ich ihr das notwendige Minimum an abweisender Aufmerksamkeit in einem neutralen Lächeln getarnt und sie löst sich in der wahrnehmungsfliehenden Menge selbstausgelieferter Produktionsfaktoren auf.
Meine Faszination meiner betäubenden Gleichgültigkeit diesen diffusen Gebirge fremder Schicksale voll zerklüfteten Leids und gipfelstürmenden Glücks gegenüber wird zum Atem meines Lebens, ich bin ein Fremdkörper aus lethargischem Schmerz und stimulierender Verweigerung, ich fühle mich lebendig begraben unter abgasbetoniertem Schilderwahn der Alltagsnorm.
Sie teilen und vereinen sich in apokalyptischen Kaufhauskettenausgängen und orientierungslosen Fußgängerüberwegen wie werbungsverseuchte Krebszellen einer sterilisierten Entmenschlichung.
Selbstgefällige Erektionen verlieren sich in konformer Impotenz massenträger Gesichtslosigkeit hypersexualisierter Künstlichkeit und ich fühle mich wie ein hoffnungsloses Attentat auf Gott.
Meine bedeutungslose Einsamkeit verliert sich im erzwungenen Informationsüberlauf alltagsversmoggter Stadteindrücke und ohne es zu merken, bin ich irgendwie Teil dieser gesichtslosen Ungreifbarkeit.!

Massenmörder                                         
                                                          Blicke.
Schätzende, Wertende, Ausweichende, Überlegene, Gestresste, Desinteressierte fressen mich, ich bin ein Seelenspiegel und doch nur Projektionsfleisch.
Sie benutzen mich, missbrauchen mich, vergehen sich, entmenschlichen sich.
                                                                  Menschenfresser.
Abgenagt bis auf die letzte Bügelfalte verwese ich entsinnt im Geldfluss, mobile Werbungsträger vergewaltigen meine Seele als Warteschlangenapplikation im Ausverkauf der Ewigkeit.
                                   In Plastik gepackte Bedürfnisse tropfen vergessenes Blut auf das latent verstrahlte Laufband, ich kaufe demokratisierte Verbrechen mit meiner Lebenszeit.
Ich konsumiere Abwesenheit zum Selbsterhalt, ich habe mehr Menschen begraben als Tränen geweint.

Unvermögender Selbstschutz    Alles das Du sagst, ist nichts, muss mir nichts sein, denn sonst bin ich nichts.
Es geht auch gar nicht um das Was oder Wie, sondern um das bloße Das.
Wenn das nämlich alles ist, ist es nichts.
Und ich bin nicht nichts, sondern alles.

Deine Blicke brennen wie Napalm in meiner Seele, Dein Gesicht eitert Ablehnung im Dauerfeuer.
Deine Worte schlachten unser Kind, Dein Wir ist ein Zombie.
Du bist ein Zombie.

Du hast mich nie gesucht, nur Dich selbst.
Du hast mich nie gesehen, nur Dich selbst.
Du hast mich nie hintergangen, nur Dich selbst.

Deine Nähe belästigt unser tot geborenes Morgen, Deine Umarmung ist grabesstill wie ein Trauerkranz.
Dein Lächeln vergewaltigt unsere Würde, Dein Wir ist eine Lüge.
Du bist eine Lüge.

Nichts, das ich sage, ist alles, muss Dir alles sein, denn sonst bist Du nichts.
Es geht auch gar nicht um das Was oder Wie, sondern um das bloße Das.
Wenn das nämlich nichts ist, ist es alles.
Und Du bist nicht alles, sondern nichts

Alltagslebensraumwahnsinn
                                                                                 Schmerz.
Schmerz im erblindeten Dunkel meiner balkonierten Einsamkeit flurt meine Unruhe der straßenlärmenden Alltagshektik des Untodes entgegen.
Die ersten Schritte sind so ausweglos wie die letzten, die Flucht ist die Flucht selbst, der Schmerz endet nicht.

Abgasverseuchter Schilderwahn betongrauer Angst treibt meine Flucht atemlos, sie sind überall. Ihre gierigen Blicke vergewaltigen mich mit botoxaufbereiteter Ignoranz.
Menschenfresser – sie sind alle gleich und überall. Es gibt kein Entkommen.
Hungernde Gesichtsfragmente gekreuzigter Hoffnungshilflosigkeit XXL in karzinogenen Industriegebieten Fast Food Merchandisebrands zur Cashflowkonsolidierung gebärend, Mutationsmaschinen züchten aus atomverseuchter Bioware nachhaltige Retronormen zum Mehrwert Plastiklifestyle aus verrotteter Abgrenzung und tot gefischten Kloaken.
Die rastlose Ampeltristesse hupengetrübter Gleichschaltungsparolen spiegelt sich in den emotional verhungernden Auslagen wie die Siegeshymne ablassverkündender Banknoten nach meinen Genitalien greift, doch mein Körper ist ihnen nicht genug.

Werbungsanzeigenschaltung digitalisierter Sinnlosigkeit beschallt meinen Schmerz wie ein Kontoauszugsdrucker, ich bin ein Schnellrestaurantautomat zur Selbstbestätigung selbstverlorener Erektionshysterie.
Im Teerschatten der Ausbeutung thront die Macht verstümmelnder Sendeformate mit inszenierten Sehnsüchten menschlichkeitsbetäubender Anpassung mir das letzte bisschen Lebenszeit zu rauben, doch den Schmerz kann ich nicht vergessen.

Blutleere Hochhäuser aufgetürmter Leichen verwesen Ideologien in die Gleichgültigkeit grenzenloser Konsumsucht, meine verlassenen Schritte zerfließen alltagsstarr im rasenden Blendlicht der Selbstzerstörung.
Nur der Schmerz, nur der Schmerz ist echt.

Über den Schmerz                                                                                 Stadtverkehrslärm neonblendet den drogentiefen Schützengraben meiner einsamen Schreie.
Meine Blicke sind wie explodierende Granaten, voll niederringendem Schamgefühl schlagen sie Schneisen des Schmerzes durch die untote Masse der angriffsrasenden Gesichter.
Sie sind der Stacheldraht in dem sich meine fliehende Seele wundreißend verfängt, erbarmungslos verfeinden sich ihre mitleidigen Blicke in meiner flaggenschwingenden Fassungslosigkeit ihrer Unverständnis.
Die wütenden Tränen meiner verblutenden Seele sprengen jede fliehende Begegnung, nur in diesem Wahnsinn bin ich noch lebendig.

Ich wurde missbraucht, von Ihnen, anderen und doch denselben, sie sind alle gleich.
Ich bin die Front, ich wurde zum Feind, sie haben mich zum Feind gemacht

Folgeerscheinungen
                                                                                     Regenschleier wabern trist durch die trostlose Fensterscheibe, ich fühle mich wie fallendes Herbstlaub, vom Wind meinem Baum entwurzelt treibe ich durch den Regen dem zertretenen Boden entgegen. Sinnlos atme ich Rauch vor mir her, die Zeit zu vergessen, die vergeht, das Gefühl, diese verschlissene Trostlosigkeit, die nicht vergeht. Gern wäre ich ein Raubtier im Käfig, aber ich habe nur Worte, die mich selbst zerreißen.
Ich verliere mich endgültig in einem sinnlosen Telefonat, denn da ist nichts zu sagen, nicht einmal etwas zu hören. Die Verzweiflung ist nur noch ein stiller Schatten der Gleichgültigkeit, sie schreit und hasst und weint, doch habe ich längst Abschied genommen, von mir, von ihr, von uns. Ich bin wie der Regen vor dem
Fenster, stumpf und kalt, längst aufgeschlagen höre ich mich fallen. Schließlich beende ich es wortlos, denn alles ist bereits gesagt, das Ende ist wie der Anfang endgültig. 
Ich denke voraus, der Blick fällt immer zurück, es gibt keinen Neuanfang.
Nur Selbstbetrug. Eine Maschinerie aus Instinkten und Rechtfertigungskomplexen zur Selbsterhaltung. Ich hasse mich. Dankbar. Nicht ganz nutzlos denn. Treibt mich aus dem Regen fort in das Obdach der Bestimmung.
Ich liebe sie, jeden Augenblick meines Hasses und doch nehme ich kein Gespräch mehr entgegen, lasse das Telefon läuten und läuten, gerade weil ich sie liebe, starre auf ihre Nummer auf der Anzeige und lasse es läuten. Erinnere mich an die Jahre vieler Augenblicke, in denen ich ihre Koffer packte und wieder auspackte, bevor sie nach Hause kam, damals ging es nur um mich, jetzt aber geht es um sie, um ihre Zukunft, die wir nicht haben können.
Ich werde niemals dieses Leben leben, das sie sich mehr wünscht als alles andere. Auch sie wird das nicht, wir beide können das nicht, zuviel Schaden treibt uns um. Aber sie will dieses andere Leben, ich nicht. Und ich darf ihr nicht im Weg stehen. Und doch würde ich es, wenn ich mit ihr rede. Denn sie würde es nicht dabei belassen, zu sehr liebt sie mich. Sie wäre sicherlich wütender als jetzt, aber sie würde meine ehrliche Hilflosigkeit anerkennen und sich damit zurechtfinden.
Ich hasse eigentlich nicht mich, es fühlt sich nur so an, ich hasse ihn und ihn, der ihr dasselbe antat, wie er mir, ich hasse sie alle. Es ist der Schatten der Vergangenheit, in dem die Zukunft liegt.
Deswegen hasse ich mich dann doch. Meine Unfähigkeit ein anderes Leben zu leben. Ich habe es versucht und scheiterte bereits an der Einstellung, beobachtete mich mechanisch meine Aufgaben erledigen und flüchtete mich in das Grauen meiner Vergangenheit.
So wurde ich zur ihrer Rechtfertigung, zu ihrer Ausrede, die ich nicht sein darf. Sie hat sich nicht einmal selbst, vielleicht wird sie das nie, aber das liegt nicht in mir, ich wollte ja funktionieren, für sie, für uns, für mich. Ich bin anders.
Anders als alle anderen, ich füge mich nicht ein, ich bleibe außen. Das wahrzunehmen schmerzt, schmerzt mich so sehr, das ich vorgebe, Teil sein zu wollen, das schmerzt mich noch mehr. Dann beginne ich mich wirklich zu hassen, nicht mehr ihn, der mir das verbrach, sondern mich, der mir dasselbe verbricht. Ich benutze sie dann nämlich, benutze sie um nicht außen zu sein, obwohl dies mein innerster Platz ist. Benutze sie für einen kurzen Augenblick der Befriedigung. Um dann zu erkennen, das nichts uns verbindet, das sie ebenso verschwinden könnten, dann hasse ich mich.
Nur sie habe ich nicht benutzt, im Gegenteil, habe mich benutzen lassen, obwohl sie mich nie benutzen wollte. Alles musste so sein, so wie ich andere benutze, benutzte sie in ihrer Liebe mich, schließlich zeichnet auch das Liebe aus. Sich benutzen zu dürfen. Diese Liebe teile ich aber nur mit ihr, diese Gefühle in mir sind echt, waren sie immer.
Diese Gleichgültigkeit, die ich spürte, war nicht echt. Sie ist die Wut eines Entschlusses, dem ich mich nicht entziehen kann. Dieser Hass ist ebenso echt, wie meine Liebe für sie, denn ohne sie fühle ich mich einsam, die Vorstellung ohne sie leben zu müssen, wird nur zur  Erleichterung, wenn ich weiß, dass sie ihren Traum sucht. Der ich nicht sein kann. Und nur vielleicht gerade deswegen wird.
Weil ich sie liebe!

Die Einsamkeit der Nacht
                                                   Die amtlichgrüne Metalltür fällt ins Schloss, der mehr mechanisch als zufällig klingende Geräuschkomplex klirrender Schlüssel, einrastender Schließbolzen und verhallender männlicher Stimmen hat mittlerweile eine gefährliche Gewohnheit erreicht, die mir nicht einmal mehr ein verlassenes Seufzen wert ist.
Ich liege auf einer feuerfesten Matratze auf der mir nicht unangenehm harten Holzpritsche und ergründe entgleitenden Blickes die Tiefe meiner absurden Lustlosigkeit, die mir weder das Abendprogramm noch die Hochintelligenz nimmt.

Ich sehe mich wie ich war, nachts in meinem grausamen Bett unter der zertränten Decke angstgekauert im hilflosen Schrei kindlichen Unvermögens das unausweichliche Grauen des gnadenlosen  Morgens erwartend.

Ich sehe mich, wie es war, als sie sich an mir vergingen.
Meine Unfähigkeit mich zu wehren, ihre erregten Gesichter, meine Angst, ihre gierigen Hände.

Ich sehe mich, wie es ist, jetzt, sie vergehen sich noch immer an mir, in diesem Augenblick.
Meine Unfähigkeit zu entfliehen, diesen Erinnerungen, meiner Angst, dieser Gleichgültigkeit.

Die staubgrauen Wände wölben sich über mir zur grabesstillen Gruft meiner ungehörten Schreie, gemacht aus geronnenen Tränen nicht endenden Schmerzes eines längst gestorbenen Kindes.
Die Nacht schleicht zwischen den Gitterstäben des kleinen Fensters hindurch wie die Hoffnung auf das Ende des Tages.

Ich stehe entrückt daneben, während die Dunkelheit mich berührt und endlich, endlich lache ich, lache ich, als ich sie brennen sehe.

Brennt!

Das Moor
                                                              Mit jedem Schritt sinke ich tiefer ein, ich erkenne nichts, es ist nur Dunkelheit in mir. Nun reicht sie mir schon bis zum Hals, ich muss mich herauswinden, indem ich mich schüttle und strecke, um mich dann nach vorne zu werfen, nicht endgültig einzusinken.
Soweit ich mich entsinne, war das immer so, daher scheint es keinen Weg zurück zu geben, so also erleichtert die Dunkelheit die Orientierung, ist es doch gleich, in welcher Richtung ich versinke. Und versinken muss ich, denn hier bleiben kann ich nicht, da ich ja versinke. Ich würde auch gar nicht hier bleiben wollen, denn sonst wäre ich nie losgegangen. Denn losgehen bedeutet zumindest die  Möglichkeit einer Ankunft, ich aber scheine längst angekommen, deswegen versinke ich immer weiter. So gehe ich also weiter, nicht um anzukommen, sondern abzukommen. Abzukommen, von dem ich versinke. Von mir.

Selbstwertschätzung
      Ich wäre gern etwas. Also nicht jemand, sondern etwas. Vielleicht Archivar. Etwas, das mehr ist, als ich jetzt bin.
Hier liegt ein Widerspruch. Etwas bezeichnet eine Sache, während sich Jemand auf eine Person bezieht. Eine Person ist im Natürlichen keine Sache, sondern mehr.
Also liegt in diesem ehrlich ausgedrückten Anliegen die Erkenntnis, das nicht ich jemand anderes sein möchte, nur etwas darstellen will. Etwas, das im Grunde genommen weniger ist, als meine Person, die ich mir anscheinend nicht wert genug bin. Da ich ihren Wert für mich zu steigern versuche, indem ich etwas viel Wertloseres, eine Sache nämlich, zu diesem Selbstwert hinzufüge.
So wünsche ich also eine Art Lager für Sachen zu sein (, wie etwa ein Museum, in dem ich dann meine Sammlung aufbewahre). Werde ich so also nicht selbst zu einer Sache?
Zu einem sicherlich belebten und somit auch fühlenden Körper?
Denn nur dann scheint ein Wert zu ermessen!

 

Ghettoisierung

24/7

trash.de

Kulturschock

Selbstbestimmung* r3v1s1t3d

Konterrevolution 3.0

Vorzeichen der Apokalypse

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